Leserbrief von Stephan Tempel an die Blaue24

dieblaue24

Anbei ein bislang noch nicht veröffentlichter Leserbrief an die Blaue24 von Stephan Tempel, den wir euch unkommentiert veröffentlichen. Der Brief befasst sich mit der Lage beim TSV 1860 München.

Leserbrief von Stephan Tempel im Wortlaut:

Ein freundliches “Servus” an DieBlaue24,

dann will ich mal mit dieser Mail die Frage “Sechzig – wie lange noch” beantworten, wobei die Frage an und für sich schon Blödsinn ist, denn die Antwort kennen wir alle:

“Einmal Löwe – immer Löwe”.

Damit wäre die Ausgangsfrage schon einmal beantwortet, aber ich schreibe dann doch einmal etwas weiter, wenn ich schon dabei bin:

Bisher haben euch scheinbar überwiegend Menschen geschrieben, die zwar schon seit Unzeiten Löwenfan sind, aber aus dem Verein austreten wollen, wenn bei der nächsten Mitgliederversammlung Robert Reisinger als Präsident bestätigt wird – da denk ich mir nur: “Herr, wirf bitte Hirn vom Himmel und das reichlich”:

Wenn ich gegen Roberts Politik bin, dann ist das austreten ungefähr so sinnvoll wie wenn ich zukünftig freiwillig auf mein Wahlrecht verzichte, weil mir der letzte Ausgang der Bundestagswahl nicht gepasst hat.

Nur dass ich damit meinem Herzensverein auch noch schade…

Ganz kurz zu meiner Person: ich bin 42 Jahre jung, hab den Löwen seit über 30 Jahren im Herzen und seit 1991 eine Dauerkarte – mit Unterbrechungen, denn in der Allianzarena hatte ich keine. Ich war gegen den gemeinsamen Stadionbau mit dem FC Bayern – wie wir inzwischen wissen zurecht, auch wenn man dafür seinerzeit schon als “Ewiggestriger” & “Ruinenanbeter” verspottet worden ist (so wie halt heute auch wieder…. es gibt halt Leute, die lernen nicht aus der Geschichte…) – wobei es mich dann trotzdem immer mal wieder in die Allianzarena gezogen hat, denn wir wissen ja alle:

“… ganz ohne Löwen kann man nicht durch´s Leben geh´n…”

Viele Jahre habe ich daheim und Auswärts kein einziges Spiel verpasst, auch gehöre ich zu den wenigen Leuten die ausnahmslos jedes Pflichtspiel in Europa seit der Bayernligazeit gesehen haben – von Varna bis Borisov:

“…ich fahr mit Dir wohin Du willst – auch bis ans Ende dieser Welt…”

Ende der 90er Jahre als das Internet noch in den Kinderschuhen steckte, hatte ich seinerzeit die Idee die unzähligen privaten Homepages die es rund um 1860 gab zu vereinigen und so fusionierten die damaligen Seitenbetreiber: loewenfans.de und daraus resultierte dann später das Löwenforum – auch wenn ich bzw. wir die Seiten schon vor vielen Jahren abgegeben haben und ich auch schon Jahre nicht mehr ins Löwenforum geschaut habe: wer hat schon Lust auf die immer wieder gleichen Diskussionen mit den immer wieder gleichen Meinungen…

…womit wir wieder am Anfang der Geschichte wären, nämlich “DieBlaue24”:

Man kann eure Seite ja nicht mal mehr ignorieren, weil eure Beiträge regelmäßig bei den Google-News zum Thema 1860 angezeigt werden, auch wenn sie leider nicht nur jegliche journalistischen Grundansprüche vermissen lassen und sich darüber hinaus nur noch in primitivster Hetze üben – von den Kommentaren darunter ganz zu schweigen: Vieles ist da nur noch übel, beleidigend oder ganz einfach strafbar.

Es dürfte einmalig im deutschen Fußball sein, dass sich ein Onlinemagazin eines Fußballvereines größtenteils damit beschäftigt, Stimmung gegen das von der Mitgliederversammlung gewählte Präsidium zu machen – und das immer wieder mit den gleichen, platten und leicht zu widerlegenden Phrasen:

1. Da wird gefordert, dass es doch bitte eine Online- oder Briefwahl geben solle, weil alles andere ja undemokratisch wäre – kompletter Schwachsinn: dann würde jeglicher Sportverein in Deutschland undemokratisch geführt werden, denn bei keinem gibt es eine Online- oder Briefwahl – und das aus gutem Grund: Die Mitgliederversammlung ist das höchste Vereinsorgan, es ist also nur logisch dass die Wahlen im Rahmen dieser durchgeführt werden.

Wo bekommt man denn ansonsten alle Argumente aller Entscheidungsträger ungefiltert serviert?

Hier kommt ja immer wieder das “Argument”, dass man was wichtigeres zu tun hätte als einen ganzen Sonntag im Zenith zu sitzen: Yep, hätte ich auch… vielleicht nichts wichtigeres, aber doch ganz sicher was schöneres. Aber mein Verein ist es mir Wert… und ihr habt ja auch alle nichts wichtigeres zu tun, als stundenlang die immer wieder gleichen Phrasen gegen Robert zu dreschen…

2. “Der Reisinger ist nach dem letzten Spiel alleine über den Rasen geschlendert wie seinerzeit Franz Beckenbauer 1990 in Rom” – wohl um ihm einen gewissen Größenwahn zu attestieren.

Einen Tag später schreibt ihr dann, er hätte sich in der Kurve von seinen Wählern feiern lassen.

Ja, was denn jetzt? Schlenderte er allein am Mittelkreis durch die Gegend, oder hat er sich in der Kurve feiern lassen? A propos “seine Wähler”: Ich bin kein Ultra, ich zünde keine Pyro, ich bin nicht in der Westkurve – ich habe zusammen mit meiner Familie vier sündhaft teure Dauerkarten auf der Gegengerade.

…und weil das nicht reicht, ist auch noch jeder Mitglied und mit unserer Firma haben wir die Firmenmitgliedschaft auch noch inne…

Wenn man den Kommentaren in den Leserbriefen hier glauben darf, sind die Wähler von Robert Reisinger ja alles asoziale, Zündler und saufen den ganzen Tag Oettinger…

Ich muss schon sagen, da haben einige ja eine tolle Meinung von unserer Mitgliederversammlung. Die Leute die ich kenne die Robert wählen – und das sind durch meine über 30 Jahre aktiv in der Fanszene sehr, sehr viele – sitzen überwiegend in der Stehhalle und haben durch die Bank gute Jobs.

Wenn man sich jedoch die Ausdrucksweise der Reisinger Gegner anschaut, dann bin ich nicht zwingend davon überzeugt, dass das die hellsten Kerzen auf der Torte sind.

Doch zurück, was kann man noch gegen Reisinger lesen?

3. Der Reisinger spricht sich nicht gegen Pyro aus, denn das sind schließlich seine Wähler:

Eine leicht zu widerlegende Lüge, denn es genügen bei Google die Worte “Reisinger Pyro” und man findet die entsprechenden Informationen.

4. Er kann nicht mit Ismaik.

Möglich, dass das sogar stimmt, doch da würde er sich in guter Gesellschaft befinden: Bis jetzt konnte kein Präsident so wirklich mit Ismaik – und was rauskommt, wenn man Ismaik machen lässt haben wir ja vor zwei Jahren Eindrucksvoll gesehen: Mehr als 20 Millionen Verlust in einer Saison, dafür dass wir dann wo gelandet sind?

Richtig: Vier!

…und wie ist gleich noch einmal der Name von dem Mann, der sich als einziger zur Verfügung gestellt hat, als alle Ratten das sinkende Schiff verlassen haben?

Richtig, Robert Reisinger.

Unter welchem Präsidenten sind wir postwendend wieder aufgestiegen?

Richtig, Robert Reisinger.

Es ist ja immer wieder zu lesen, dass das nicht Reisinger sein Verdienst, sondern der von Biero wäre: meinetwegen. Aber dann lastet es doch bitte nicht dem Robert an, wenn es sportlich mal nicht so läuft.

Ach ja, ich vergas… da ist ja folgendes daran schuld:

5. Ohne Not hat Reisinger den Konsolidierungskurs ausgerufen und dadurch die Mannschaft demotiviert.

Eine gewagte These. Für die Motiviation der Mannschaft ist gleich noch mal wer zuständig? Man könnte ja ebenso gut auch sagen, dass es bei der Mannschaft nicht mehr gelaufen ist seitdem Biero sich nach Abschluß seines Trainerlehrganges Vollzeit um die Mannschaft kümmern konnte…. der gleiche Schwachsinn in grün.

Wenn ich Angst habe, dass ich im nächsten Jahr nicht mehr für 1860 spiele, dann hänge ich mich im übrigen doppelt rein, um einen guten Vertrag bei einem anderen Verein zu bekommen.

6. Der Reisinger kümmert sich um die Golfer und den Freizeitfußball….

…richtig, wenn er nicht gerade über den Rasen schlendert wie Beckenbauer, dann kommt er seinen Aufgaben als Präsident des Gesamtvereines nach. Ehrenamtlich, so ganz nebenbei.

…und für die, die es immer noch nicht begriffen haben: Für die Profimannschaft, Sponsorenakquise etc ist die KGaA bzw deren Vermarkter zuständig.

Kommen wir noch ganz kurz zum Saki, ist für die meisten ohnehin schon wieder zu lange:

Wer den Massenmörder Che Guevara in seinem Büro hängen hat, wird nicht mein Präsident. Wer Sponsorendeals die meinem Verein gut tun würden ohne Begründung ablehnt, wird nicht mein Präsident. Wer schon als Aufsichtsrat so eine Unruhe in den Verein bringt wie ansonsten nur die Boulevardpresse, der wird nicht mein Präsident.

…und wenn er eines Tages doch Präsident wird?

Ja mei, dann muss ich das als guter Demokrat eben akzeptieren – an der Liebe zu den Löwen wird das ganz sicher nichts ändern, womit wir wieder ganz am Anfang wären:

Sechzig, wie lange noch?

Treu bis in den Tod!

Einmal Löwe – immer Löwe!

Stephan Tempel

PS: Ihr habt Insiderwissen oder gute Argumente gegen Robert? Gerne unter diesem Beitrag oder per PN – MEINE Vereinsliebe hängt nicht an einer einzelnen Person.

Anbei der Leserbrief von Stephan Tempel als Facebook-Widget:

(c) Text Stephan Tempel

Schreibe einen Kommentar