Bilanz der KGaA des TSV 1860 München erklärt vom Fachmann

München – Auf Facebook hat sich Reinhard Friedl die Mühe gemacht die Bilanz der KGaA deutlich zu erklären. Weiter unten haben wir Euch dann noch Fragen und Antworten mit eingebunden.

Mit den Diskussionen aufgrund der zu erwartenden Strafzahlungen wegen Nichtumwandlung von Darlehen in Genußscheine, bringen wieder einige etwas durcheinander. Dies ist ja auch erkennbar mit e.V. und KGaA. Daher möchte ich den Unterschied von Darlehen und Genußscheinen aufzeigen.

Reinhard Friedl

Darlehen sind Verbindlichkeiten, die verzinst und zurückbezahlt werden müssen. Der Zins ist i.d.R. festgeschrieben und muss jährlich bezahlt werden, egal ob ein Gewinn im Unternehmen gemacht wird oder nicht. Der Darlehensgeber ist somit Gläubiger und hat Anspruch auf Rückzahlung des Darlehen zu einem bestimmten Termin. Es handelt sich bei Darlehen um Fremdkapital und der Darlehengeber hat einen Anspruch bei einem Kurskurs einen Teil seiner Forderung zurück zu erhalten.

Genußscheine nehmen eine Zwischenstellung zwischen Anleihen (Darlehen) und Aktien (Beteiligung) ein. Mit Genussscheinen können Investoren einem Unternehmen Geld leihen und gleichzeitig vom Gewinn der Firma profitieren. Allerdings erhalten die Genussscheininhaber bei einem Verlustjahr (was bei der KGaA von 1860 die Regel ist) keine Zinszahlung. Genussscheingläubiger (Geldgeber) sind allerdings nachrangige Gläubiger. Bei einer Insolvenz werden daher die Forderungen anderer Gläubiger zuerst bedient. (Ich muss kein Prophet seit um zu erkennen, dass bei einem Konkurs der KGaA der Genussscheininhaber leer ausgehen wird). Genussscheine zählen als Genussrechtskapital in der Bilanz zum Eigenkapital.
Dies kann in der beigefügten Bilanz zum 30.6.2017 ersehen werden.

Es bestanden bereits zum 30.6.2017 27,2 Mio Genussrechtskapital zum Kommanditkapital 6,5 Mio € und der Kapitalrücklage von 9,1 Mio €. Trotzdem kam es zu einem Fehlberag von 19,8 Mio €, der nicht durch Eigenkapital gedeckt war. Da in der Folgesaison (Abschluss zum 30.6.2018 wird dies ersichtlich sein) ein weiterer Verlust entstand, ist der nicht gedeckte Fehlbetrag höher geworden.
Daher hätte von den Forderungen (siehe Verbindlichkeiten C.6) von damals 16,8 Mio € ein Teil in Genussscheine umgewandelt werden müssen. Dies hatte Ismaik bereits Herrn Fauser zugesagt, aber letztendlich nicht eingehalten.

In der Bilanz sind auch die Zinsen zu ersehen, die Ismaik in der Saison 2016/2017 Abstiegssaison, von der KGaA bekommen hat. 669.525,00 €.
Meines Erachtens muss die Geschäftsführung die Strafzahlung an Herrn Ismaik weitergeben. Er stellt sich allerdings sowieso die Frage, ob es überhaupt mit der Bilanz zum 30.6.2018 zu einer positiven Fortführungsprognose kommen wird, da Herr Ismaik seine Zusagen nicht erfüllt hat. Bisher hat man in den Fortführungsprognosen immer damit argumentiert, dass die Gesellschafter Kapital nachschießen oder Forderungen umwandeln.

Da der e.V. als gemeinnütziger Verein keine Vereinsgelder in die KGaA geben darf und auch seine Forderungen aus Vereinsrecht nicht umwandeln darf, hatte der e.V. ja den Vorschlag gemacht, die U21 und U19 vorübergehend zurück zu holen, damit die KGaA von Kosten entlastet wird. Dies hat aber die Investorenseite abgelehnt und lehnt nun gleichzeitig die andere Möglichkeit der Umwandlung von Darlehen in Genussscheine auch ab. Herr Stimoniaris sollte einmal erklären, wie sich die Investorenseite ein Weiterbestehen der KGaA vorstellt.

Frage: Sehr verständlich erklärt… eine Frage habe ich aber.
Wenn von einer Stundung eines Darlehens gesprochen wird, geht es dabei um die Zinsen oder um die Rückzahlung der Schulden (also des Darlehens), wenn der Darlehen ausläuft?
Antwort: Es kann sowohl die Rückzahlung des Darlehens gestundet werden; es können aber auch Zinsen gestundet werden.

Frage: OK und wie geht’s weiter wenn keine positive Fortführungsprognose gestellt wird?
Antwort: Da wohl bei Erstellung des Abschlusses per 30.6.2018 und dem erstellen des Lageberichtes noch nicht bekannt war, dass Ismaik seine Zusagen nicht einhalten wird, wird dieser Umstand wohl noch nicht enthalten sein. Dass aber jetzt auf alle Fälle die Notbremse gezogen wird und die Kosten extrem gesenkt werden müssen, sieht man ja bereits an den Aussagen von Herrn Scharold und Herrn Gorenzel.

Frage: Die Erklärung von Genussrecht und Darlehen ist sehr gut, aber woher kommt schon wieder das Gerücht mit den angeblichen Strafzahlungen? Dieses Thema wird alle paar Monate ausgegraben, aber ich kann mich nicht daran erinnern, dass irgendein Vereins- bzw. KGaA-Vertreter jemals irgendwelche Strafen bestätigt hätte. Ismaik wartet mit den Umwandlungen immer bis zum letzten Drücker, aber bisher hat er es wohl (auch zum Schutz seines Invests) rechtzeitig gemacht.
Die U-Mannschaften wieder zum e.V. zu holen halte ich für eine Schnapsidee. Der e.V. ist im Gegensatz zur KGaA zwar nicht komplett überschuldet, aber das Kapital für eine vernünftige Strukturierung des Jugendbereichs, ist nicht mal ansatzweise vorhanden und Fremdgelder in der nötigen Höhe zu akquirieren ist für den e.V. so gut wie unmöglich.
Zum Thema „Wie wollen wir uns in Zukunft finanzieren“: Ismaik wird weiter Genussscheine oder Darlehen anbieten. Geschenktes Geld in Form eines Sponsorings wird es in der aktuellen Konstellation nicht geben. Da Reisinger die Aufnahme weiteres Genussrechtskapitals aber erstmal kategorisch ausgeschlossen hat, wird es wohl mal wieder zum altbekannten Kräftemessen kommen. Letztendlich wird man aber doch wieder auf den letzten Drücker Genussscheine annehmen müssen, da ein Etat von 3-3,5 Mio ein sportliches Himmelfahrtskommando wäre.
Dieses Kasperltheater wird so lange weitergehen, bis wir entweder insolvent sind oder sich die beiden Gesellschafter wie erwachsene Geschäftsleute verhalten und einen gemeinsamen Weg finden.
Antwort: In den Statuten des DFB sind die Strafen genau geregelt. Habe diese erst vor kurzen gesehen, kann sie aber auf die schnelle nicht finden. Jedoch ist dieser Tatbestand gesichert in den Statuten. Mit genauer Prozentangabe und Erhöhung bei Wiederholungstätern. Dies ist wie in der EU mit Griechenland. Wenn dem am Stock gehenden Staat irgend eine Einsparmaßnahme nicht gelingt, folgen Strafzahlungen an die EU. Ist zwar Käse, ist aber so. Stinkt auch, aber was soll´s. FAZIT: DFB ist wie EU 😜

Wir bedanken uns bei Reinhard Friedl für diese tolle Erklärung!

Foto: Reinhard Friedl Facebook

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