Groundhoppers 1860: Interview mit Robert Reisinger Teil 1

München – Die Groundhoppers 1860 haben ein Interview mit Robert Reisinger geführt. Hier bekommt Ihr Teil 1 und den Link zur Facebook Seite. Teil 2 findet Ihr nun hier.

Groundhoppers 1860 Interview mit Robert Reisinger

Hallo Herr Reisinger, zuerst einmal vielen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen um uns einige Fragen zu beantworten. Es ist kein Geheimnis, dass wir absolute Befürworter des sogenannten „Sparkurses“ des jetzigen Präsidiums sind. Wir möchten Ihnen aber auf dieser Plattform auch gerne die Möglichkeit bieten auf immer wieder vorgetragene Kritikpunkte zu reagieren und ggf. einiges klarzustellen. Also los geht’s:

Groundhoppers 1860:Zu Beginn eine private Frage, wie geht der Mensch Robert Reisinger, der als Präsident des TSV 1860 München in den sozialen Netzwerken von Gegnern des sogenannten „Sparkurses“ immer wieder verbal massiv angegangen, beleidigt und teilweise sogar bedroht wird, mit diesen Anfeindungen um? Das kann doch nicht spurlos an Ihnen vorbei gehen?

Robert Reisinger: Zunächst kann ich mit dem Begriff „Sparkurs“ wenig anfangen – nach meinem Verständnis ist es das Normalste der Welt, nur soviel auszugeben, wie man auch einnimmt. Angespart im eigentlichen Sinne des Begriffs, wird dadurch ohnehin noch nichts. Die angesprochenen Angriffe gehen psychisch weitgehend spurlos an mir vorüber, weil ich anonym im Internet vorgebrachte Beleidigungen nach Möglichkeit ausblende.

Groundhoppers 1860: Lesen Sie diese Beleidigungen eigentlich und sind sie schon einmal juristisch gegen einen Schreiber, der Sie beleidigt hat vorgegangen? Ein beispielhafter Leserkommentar auf dem Internetblog „dieblaue24“ sei hier exemplarisch zitiert: „Das (Anmerkung: Robert Reisinger) ist der asozialste Depp, der je bei einem Verein als Präsident tätig war! Und das in ganz Deutschland!!! Der Kohlkopf lässt den TSV 1860 lieber verrecken um seinen Willen durchzusetzen! Wie schon gesagt, der muss weg, egal wie!!!!! Und sein Anhang dazu!!!!!“ (Anmerkung: Wir haben einige eklatante Rechtschreibfehler ausgebessert, die Ausrufezeichen waren aber auch in dieser Anzahl im Original zu sehen) Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie diese Zeilen lesen, die durchaus als Bedrohung gesehen werden können?

 

Robert Reisinger: Ich selbst lese so ein Zeug nicht, aber es schicken mir immer wieder Mitglieder Screenshots, wenn – wie im von Ihnen genannten Beispiel – Grenzen überschritten werden. Es stimmt, dass ich im letzten Sommer Strafanzeige gegen einzelne Kommentatoren, die mich im Internet übel persönlich diffamierten und beleidigten, gestellt habe. Ich musste ein Zeichen setzen. Danach ging es eine Zeitlang gesitteter zu. Im Moment scheint es wieder schlimmer, wenn ich die Nachrichten, die ich bekomme, als Maßstab nehme.

Das Problem sind aber nicht nur die Urheber solcher Kommentare, sondern mehr noch diejenigen, die als Medienschaffende so etwas billigen, oder durch demagogische Berichterstattung befördern. Das wirkt zerstörerisch für unseren Verein und muss überwunden werden. Ein solcher Umgang miteinander ist nicht nur unter Löwen völlig unangebracht. Erfreulicherweise gelten diese Ausfallerscheinungen aber nicht für die Münchner Zeitungen. Dort wird im Allgemeinen fair gearbeitet.

Groundhoppers 1860: Nicht nur Sie, sondern auch ihre Wähler, die stimmberechtigten Mitglieder auf der Mitgliederversammlung werden besonders in den Kommentarspalten auf „dieblaue24“ immer wieder massiv beleidigt. „Reisinger und seine Giftmischer“, „ein paar hundert besoffene und meist geistig limitierte Ultras“, „erbärmliches Stimmvieh“ und „Lügner und undankbare Bettler“ sind nur einige ausgewählte Beispiele. Müssen sich die Mitglieder des TSV 1860 München e.V., die Ihnen auf der Mitgliederversammlung die Stimme gegeben haben so bezeichnen lassen?

Robert Reisinger: Natürlich müssen sich Mitglieder das nicht gefallen lassen, aber ich möchte an alle appellieren, bei solchen verbalen Angriffen die Ruhe zu bewahren, auch wenn es manchmal schwer fallen mag. Der besondere Schutz der Meinungsfreiheit gilt auch für irrationale Ansichten oder emotionale Ausbrüche. Ich denke, wer Äußerungen wie in Ihren Beispielen tätigt, disqualifiziert sich damit selbst. Mit solchen Menschen macht es wenig Sinn eine Diskussion zu führen, denn daran sind sie ohnehin nicht interessiert. Wer sich nicht an zivilisatorische Mindeststandards hält, kann als Gesprächspartner nicht ernst genommen werden.

 

Groundhoppers 1860: Sie selbst haben ja auf den letzten beiden Mitgliederversammlungen den Blogbetreiber – ohne ihn direkt zu nennen – deutlich angesprochen und um mehr Fairness in der Berichterstattung gebeten. Nach unseren Eindruck verhallte dieser Appell ungehört, gefühlt mindestens 2x täglich werden Sie dort massiv kritisiert, Ihnen werden die verschiedensten Versäumnisse und Unwahrheiten vorgeworfen. Können Sie sich erklären, woher diese Abneigung gegenüber Ihrer Person kommt?

Robert Reisinger: Nein, und es beschäftigt mich auch nicht.

Groundhoppers 1860: Ein Angriffspunkt von dieblaue24 ist z.B. immer wieder die angeblich so desaströse Jugendarbeit und dass sowohl die U19 als auch die U17 nicht mehr in der Bundesliga spielen. Warum machen Sie nicht öffentlich deutlich, dass die sportlichen Abstiege der beiden Mannschaften bereits vor ihrem Amtsantritt unter der Ägide Cassalette/Ismaik zu verantworten sind?

Robert Reisinger: Nach meiner Einschätzung können differenziert denkende Menschen schon die Zusammenhänge erkennen. Andere argumentieren nur nach Ihrer Ideologie und wenn die nicht mit der Realität übereinstimmt, dann ist eben die Realität falsch. Klarstellungen können in solchen Fällen nur schwer etwas bewirken. Unabhängig davon ist unsere Jugendarbeit nicht desaströs. Eine solche Behauptung ist eine Unverschämtheit gegenüber den dort tätigen Mitarbeitern und wird der geleisteten Arbeit in keiner Weise gerecht.

Groundhoppers 1860: Ein weiteres Thema beschäftigt derzeit die Löwenfans. Die vom Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter angekündigte Machbarkeitsstudie über eine mögliche Kapazitätserweiterung des städtischen Stadions an der Grünwalder Straße sorgt für reichlich Gesprächsstoff. Sie halten sich mit publikumswirksamen Wasserstandsmeldungen in dieser Frage zurecht sehr zurück. Trotzdem ein Versuch: Wann ist hier mit den ersten Ergebnissen zu rechnen und gibt’s da bei Ihnen ein Bauchgefühl, wohin die Reise geht?

Robert Reisinger: Netter Versuch, aber es hat schon seinen Grund, warum es von Vereinsseite und auch von der KGaA keine Wasserstandsmeldungen oder Bauchgefühle dazu gibt. Wir warten die Ergebnisse ab und dann sehen wir weiter. Ich denke im Juni könnte es soweit sein.

Groundhoppers 1860: Nochmal zur Thematik Stadion. Es gab in der Vergangenheit immer wieder Stimmen, die ein großes, neues Löwenstadion forderten. Im Jahr 2016 sprach Hasan Ismaik über einen Neubau mit 52.000 Zuschauern, der damals als Investor im Gespräch befindliche Gerhard Mey von einer Kapazität von 40.000 Zuschauern und Kurzzeit-Verwaltungsrat Athanasios Stimoniaris erst vor kurzem von einem Stadionneubau mit mindestens 35.000 Zuschauern. Wo sehen Sie eine realistische Größenordnung eines Stadions, in dem die erste Mannschaft des TSV 1860 München ihre Heimspiele austragen soll?

Robert Reisinger: Wenn man die Zuschauerstatistik der vergangenen zehn Jahre als Basis nimmt, denke ich, sollten es zwischen 20.000 und 25.000 sein – plant man einen kompletten Neubau, wären aus wirtschaftlicher Sicht 28.500 Plätze sinnvoll. Das Wichtigste aber ist: die KGaA braucht eine Spielstätte, die, egal in welcher Liga, wirtschaftlich zu betreiben ist! Wir und andere Klubs in Deutschland haben sich schon mit Stadionprojekten gewaltig verhoben. Das darf uns nicht nicht nochmal passieren.

Groundhoppers 1860: Immer wieder ist von ca. 10.000 ausgesperrten Fans pro Heimspiel die Rede, die angeblich keine Karten für die Löwen bekommen haben sollen. Die Realität sieht anders aus, gegen Spitzenreiter Osnabrück gab es am Tag vor dem Spiel noch Tickets, das Heimspiel gegen den VfR Aalen war mit 14.100 Zuschauern nicht ausverkauft. Wir sehen zwar die Problematik, dass Fanclubs jetzt kaum noch 40 – 50 zusammenhängende Karten für ein Spiel bekommen können, von einer großen Anzahl an ausgesperrten Fans zu sprechen, halten wir aber für übertrieben. Wie ist hier ihr Meinungsbild bzw. wenden sich Fans mit dieser Beschwerde auch an Sie?

Robert Reisinger: Sicher ist es nicht mehr so einfach wie noch in der Allianz Arena an Karten für ein Spiel der Löwen zu kommen. Die Auslastung ist eine ganz andere. In der Regionalliga-Saison haben sich sehr viele Fans und Mitglieder bei mir gemeldet und ich habe versucht diesen zu helfen. Seit der Aufstockung auf 15.000 Zuschauer, sind entsprechende Anfragen nahezu auf Null gefallen. Nach meiner Erfahrung bekommt jeder, der sich zeitig um eine Karte kümmert, auch ein Ticket für das gewünschte Spiel. Die angeblich ausgesperrten 10.000 Fans sind ein Märchen und entbehren jeder Realität.

Groundhoppers 1860: Wir sehen bei den Löwen einen treuen Zuschauerstamm, der auch an einem Dienstagabend gegen einen unattraktiven Gegner in das Stadion kommt bei ca. 15.000. Dieser Kern zählt zu den treuesten Fans in ganz Deutschland, die Löwen sind aber – wie auch ein Blick auf den Zuschauerschnitt der letzten Jahrzehnte zeigt – kein Verein, der die ganz großen Fanmassen anzieht. Uns würde Ihre Meinung dazu interessieren, wie schätzen Sie das Potential der Löwen ein?

Robert Reisinger: Wie gesagt, ich halte 25.000  Zuschauer für eine realistische Größenordnung, wobei ich auch dann nicht an eine dauerhaft hundertprozentige Auslastung des Stadions glaube. Aber es wäre ein Kompromiss, um auch für sogenannte Spitzenspiele ausreichend Tickets vorrätig zu haben. Ich möchte auf keinen Fall mehr die Situation wie in der Arena haben, dass gegnerische Fans und Eventpublikum das Gros der Zuschauer stellen.

Groundhoppers 1860: Herr Reisinger, vielen Dank für den ersten Teil des Gespräches, Teil zwei folgt morgen hier auf Groundhoppers 1860.

Hier geht es zu Teil 2 des Interviews

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