Groundhoppers 1860: Die bösen Ultras

Die bösen „Ultras“ – Die Geschichte einer Pauschaldiffamierung

Nach dem gestrigen, gewohnt einseitigen Bericht eines großen Internetblogs rund um die Löwen und die Ereignisse beim letzten Heimspiel gegen den SV Meppen hinter der Westkurve, der weiter dazu beiträgt die Wogen hochschlagen zu lassen und die Spaltung der Fanszene zu zementieren versuchen wir hier eine ausgewogene Darstellung der Ereignisse.

Wir haben fast ein Dutzend Löwenfans befragt, die den Ablauf aus verschiedensten Perspektiven erlebt haben und die den unterschiedlichsten politischen Lagern des Vereins angehören.

Das subjektive Empfinden und die jeweils eigene – teils vorgefertigte – Meinung spielen bei der Betrachtung sicher auch eine große Rolle, geht uns ja nicht anders. Dennoch ein Versuch einer vorurteilsfreien Darstellung.

Als sichtbares Zeichen gegen die von der KgaA verhängten Materialverbote für zwei Heimspiele (Schwenkfahnen, Trommeln) sollten diesmal zu Beginn des Spiels die Mittelblöcke G und H unter der Anzeigetafel zum Anpfiff frei bleiben. Dies wurde am Eingang zu den Blöcken mittels eines großen Plakats deutlich sichtbar kommuniziert, die gleichen Hinweise hingen in diesem Bereich auch am Außenzaun des Stadion (Schrift nach innen – Richtung Stadion).

Weit vor Spielbeginn und bis ca. 20 Minuten vor Anpfiff war die Situation aus eigener Beobachtung noch sehr entspannt, danach beruhen unsere Schilderungen auf Aussagen von Fans, die direkt vor Ort waren.

Die Löwenanhänger, die erst kurz vor Beginn am Stadion waren konnten die Transparente mit den Hinweisen aufgrund der eingeschränkten Sicht nicht mehr sehen und wussten größtenteils nichts über den Anfangsboykott und vor allem über die Dauer der Aktion. Es ging die Angst um, die komplette erste Hälfte zu verpassen. Zeitweise gab es sogar das Gerücht, die Aktion laufe über die kompletten neunzig Minuten. Das dies kaum Begeisterungsstürme auslöst ist nicht verwunderlich.

Die Schilderungen gehen auch deshalb so weit auseinander, da es offensichtlich eine große Rolle spielte, wo man sich in der wartenden Menge befand. Direkt an den Aufgängen zu Block G/H wurde uns mehrfach geschildert, dass Fans – vor allem mit Kindern – teils sogar aufgefordert wurden in den Block zu gehen und es sehr gesittet zuging. Weiter hinten sah es leider anders aus, da wurde auch uns von weinenden Kindern berichtet, die aufgrund der beengten Verhältnisse und den vielen wartenden Menschen Angst bekamen sowie keine Möglichkeit hatten vorgelassen zu werden und damit in den Block zu gelangen.

Eine Situation, die der Schreiber dieser Zeilen vor zig Jahren bei einem Amaderby selbst einmal mit zwei kleineren Kindern als sehr unangenehm erlebte, als die gesamte Stehhalle bis kurz vor Anpfiff gesperrt blieb um dann geschlossen und mit lautem Hallali dort einzulaufen. Von daher großes Verständnis für die betroffenen Eltern.

Alle Beteiligten, die uns gegenüber berichteten sprachen aber auch auf Nachfrage von einem insgesamt disziplinierten Verhalten der Fans, weitab jeglicher Panik oder chaosartigen Szenen. Als der Andrang auf die „gesperrten“ Blöcke G/H zu viel wurde sperrte die in Lauerstellung wartende Polizei kurzzeitig den Eingang zur Westkurve.

Das der Zugang zu den Blöcken G/H möglich war und nicht gewaltsam verhindert wurde beweisen unzählige Fotos und Videos, auf denen Löwenfans zu sehen sind, die sich bereits zum Anpfiff in den oberen Bereichen dieser Blöcke aufgehalten haben. Leider war dies aber wie vorher schon beschrieben nicht jedem Fan möglich, da er erst gar nicht so weit kam.

Die relativ deutlichen Unmutsäußerungen der wartenden (und nicht informierten) Fans vor dem Stadion und die Pfiffe gegenüber der aktiven Fanszene beim Betreten der Blöcke G/H waren nicht zu überhören. Die Wahrnehmung ob dies die Mehrheit im Stadion war geht ebenfalls weit auseinander und liegt vermutlich auch am Platz, den man im Stadion innehatte.

Auf der Haupttribüne wurde uns z.B. von einer – wenig überraschenden – fast 100% Ablehnung gegen diese Aktion berichtet, diesmal gab es aber sogar deutliche Pfiffe aus den benachbarten Blöcken F1/2 und J. Die Stehhalle zeigte sich aus unserer Wahrnehmung mit dem schon fast fest zementierten Gefälle in West – Ost Richtung. Je weiter es in den Osten der Stehhalle ging, desto mehr Pfiffe gab es gegen die Aktion der aktiven Fanszene.

Auf der anderen Seite gab es aber auch deutlich vernehmbare Zustimmung, so blieben viele Fans auch aus Solidarität gegen das Materialverbot der KgaA den Blöcken fern und bis auf einen Fanclub verzichteten alle anderen auf das Anbringen der Zaunfahnen.

Ohne jetzt in den Klugscheißermodus verfallen zu wollen denken wir, dass eine bessere Information der wartenden Fans wie z.B. durch auch außen sichtbare Transparente geholfen hätten viele Unstimmigkeiten und einige Frustration zu vermeiden. Besonders der Umstand, dass für die ganz hinten wartenden Anhänger kaum etwas zu der Dauer der Aktion bekannt war sorgte für viel Ärger.

Da erinnert einiges an das Plakat vor der Stehhalle beim Zwickauspiel, auch da war für viele Zuschauer nicht ersichtlich, wie lange das Plakat dort hängen soll…..

Zum Schluss aber noch eine Klarstellung:
Wir sind absolute Unterstützer der aktiven Fanszene der Münchner Löwen, müssen aber auch nicht jede Aktion kritiklos einfach nur super finden.

Was die Buam und Madl für den Verein an Zeit, Geld, Leidenschaft und Engagement aufbringen ist ohne Zweifel absolut bewundernswert. Wenn Sie mal nicht beim Spiel sind, merkt man gleich was von der vielzitierten „grandiosen Stimmung“ noch übrig bleibt, nämlich fast nichts. Beste und aktuelle Beispiele sind die erste Hälfte in Würzburg oder jetzt das Heimspiel gegen den SV Meppen.

Viele der Nörgler und Kritiker, die in Ihrer Wortwahl oft jeden Anstand vermissen lassen bekommen weder den Arsch hoch noch den Mund auf, schimpfen dann aber über die miese Stimmung und fehlende Anfeuerung der eigenen Mannschaft.

Diese Dauergrantler, mosern gefühlt meist – man hat ja schließlich sein Telekom-Sport-Abo – während des Spiels von der Couch aus, haben in Facebook als Hintergrundbild eine tolle, farbenfrohe Choreo der „Idioten und Chaoten“ im Grünwalder Stadion, würden auch als Präsident, Sportdirektor, Trainer und Spieler alles besser machen (und da meinen wir jetzt nicht Saki) und prahlen vor Freunden und Bekannten mit den immer so treuen Löwenfans, die auch auswärts immer für Stimmung sorgen obwohl es da auch wieder die „Idioten und Chaoten“ sind. Informiert wird sich natürlich nur über “seriöse” Quellen….

Die aktive Fanszene ist das Herz der Löwenfans, ohne diese Gruppierung ist die Kurve trost- und farblos und die Stimmung katastrophal schlecht. Daher weiterhin volle Unterstützung für die aktive Fanszene der Münchner Löwen!

Der Protest gegen die Materialvetbote war absolut berechtigt und notwendig. Über die Art und Weise darf man gerne unterschiedlicher Meinung sein.

Eine einseitige, pauschal diffamierende Berichterstattung hilft aber der Fanszene insgesamt sicher nicht weiter.

Bild:
Eingang zur Westkurve ca 10 Minuten vor Anpfiff

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